Scheckenzüchter mit ungebrochener Ausstellungsfreudigkeit!

 

43. Scheckenclub-Vergleichsschau in Wallmerod, Rheinland-Nassau

 

 

 

Die kleine Verbandsgemeinde Wallmerod liegt im Westerwald knapp 40 km nordöstlich von Trier. Sie war 14./15.10.2017 der „Mittelpunkt Deutschlands“ für uns Scheckenzüchter. Gekommen waren eigentlich „Alle“, die Züchterfreunde aus unserem Verbandsgebiet, aus Österreich, Südtirol, Frankreich, Holland und Belgien. In dieser Gemeinschaft ist die Ausstellungsfreudigkeit trotz allgemein sinkender Mitglieder- und Tierzahlen völlig ungebrochen. Vor einigen Jahren musste sogar eine Tierzahlbegrenzung eingeführt werden, um in manchen Regionen noch geeignete Hallen zu finden. Das wirkt sich zwangsläufig aber meines Erachtens positiv auf die Tierqualität aus. Seit Jahren werden nunmehr recht konstant von 160 bis 170 Züchtern rd. 1.300 Schecken ausgestellt. In Wallmerod waren es exakt 1.306 Rassevertreter von 163 Züchtern.

 

 

 

Elan und Engagement auch im Gedenken an Mario Hoffmann

 

Erstmals durften wir der Einladung des Scheckenclubs Rheinland-Nassau folgen, der damit sein 20-jährigen Bestehens feierte -oder soll ich besser und ehrlicher sagen- uns feiern ließ?! Wer einlädt hat die Arbeit! Und deshalb sollten sich auch Clubs, die sich bisher zurückgehalten haben, hier ein Vorbild nehmen. Was der recht kleine Club in erster Linie mit  Freunden und Bekannten auf die Beine stellte, war vorbildlich und von höchstem Engagement geprägt. Wie schon dem Grußwort zu entnehmen war „schwebte schon sehr lange der entsprechende Gedanken in den Köpfen“. Schließlich gehört der Club unbestritten von Anfang an zu den Aktivposten bei den Überregionalen! Mit Mario Hoffmann verstarb aber leider vor drei Jahren viel zu früh einer dieser allseits sehr beliebten und geschätzten Züchterfreunde. Seine langjährigen und engen Züchterfreunde aus Südtirol ließen es sich im Laufe der Veranstaltung nicht nehmen, sein Grab zu besuchen. Auch solche emotionalen Momente gehören zu einem Familientreffen!

 

 

 

Die eigentliche Schau fand in der schmucken Sport- und Kulturhalle der Gemeinde statt. Sie war in den nächsten Tagen der Dreh- und Angelpunkt für alle Aktivitäten. Vor allem freitags ist eigentlich fast jeder, der eine Überregionale besucht, aktiv. Viele Teilnehmer unterstützten die Veranstalter als Preisrichter, Zuträger, EDV-Bearbeiter und Vieles mehr.  Die Partner und Zuchtfreunde, die so nicht eingebunden sind, nehmen in aller Regel an dem vom Veranstalter angebotenen Ausflug teil. Es fand ein Bustransfer nach Koblenz statt. Von dort ging es mit einem Ausflugsschiff durch das romantische Mittelrheintal. Das UNESCO-Weltkulturerbe „Oberes Mittelrheintal“ konnte so auf seine schönste Art erlebt werden. Ab Mittag hatte man dann Zeit, die historische Altstadt von Konstanz zu besuchen, die Bundesgartenschau-Gärten am Rheinufer zu genießen oder die Festung Ehrenbreitstein zu besichtigen. Andere ließen bei strahlendem Sonnenschein auch einfach nur die Seele bei einem Kaffee am Rhein- oder Moselufer baumeln.

 

 

 

…Und wie lief die Bewertung?

 

So entspannt wie bei den Ausflüglern war das Treiben in der Halle zwangsläufig nicht… aber so harmonisch, besonnen, ruhig und zielführend wie selten zuvor! Ob dazu beigetragen hat, dass die Ausstellungsleitung einige Preisrichter, die zwar von den Clubs gemeldet waren, nicht berücksichtigt hat und/oder einige aus anderen Gründen nicht verpflichtet werden konnten, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass in den fünf Vierergruppen eine sehr gleichmäßige Arbeit abgeliefert wurde, was auch ein großes Verdienst der Obleute Reinhard Pötz, Walter Fehrenz, Manfred Arnold, Detlef Beckers und Jens Jadischke war. Erstmals hatte jede Gruppe auch einen separaten EDV-Bearbeiter und durch die Positionseingabe konnten sofort Fragen abgeklärt und kleine Fehler behoben werden. So lief auch die Auswertung wie am Schnürchen! Schnell war man sich in der Gemeinschaft einig, dass künftig immer so verfahren werden sollte. Ein dickes Lob an alle Beteiligte!

 

 

 

Der Klönabend

 

… oder wie man wohl im Westerwalde zu sagen pflegt, der „Hui Waller Abend“, war dann schon der erste gesellige Höhepunkt, an dem rd. 230 Personen teilnahmen. Es herrschte bei klassischen Brotzeitspezialitäten aus dem Westerwald, typischem Brand und regionalem, nicht zu knapp bemessenem Bier, eine wunderbare Atmosphäre. Zuweilen wurde der Abend auch angenehm durch dezente Musik eines Schifferklavierspielers begleitet. Ein in einem großen Gehege eingesperrter „Schecke“ in Person von Karl-Heinz Mielisch erzählte seinem Nachbarn, einem Deutschen Widder, die ein oder andere Geschichte zu seinem Dasein und „pikante“ Einzelheiten aus dem Leben seiner deutschlandweit beheimateten „Herrchen“. Kurzweilig vergingen die Stunden; für die „Härtesten“  wurde es früher Morgen.

 

 

 

Traditionelle Ehrenringverleihung als Höhepunkt der Eröffnungsfeier

 

Zumindest leicht gerührt begrüßte Vorsitzender Stefan Rottauscher am Samstagmorgen die zahlreichen Gäste und Besucher. Sein Dank an die zahlreichen Helfer kam von Herzen. Für die Schirmherrin der Veranstaltung, Landtagsabgeordnete Gabi Wieland, zollte Landrat Achim Schwickert den Organisatoren höchsten Respekt. Bernhard Graf, Redakteur der Standard-Fach-Kommission, war unter anderem angereist, um sich vor Ort noch ein Bild zu einigen Detailformulierungen des neuen Standards zu machen. Er äußerte die Hoffnung, dass der neue Standard die Grundlage schafft, dass die immer wieder bewunderten Scheckenrassen, künftig leichter und vermehrt ausgestellt werden können. Ausdrücklich bedankte er sich für die gute Zusammenarbeit zwischen den Clubs, der Arbeitsgemeinschaft und der Kommission. ZDRK-Abteilungsleiter Detlef Beckers hob die Bedeutung der Clubs für die Entwicklung der Rasse-Kaninchen hervor und als Freund der guten Küche fand er sehr lobende Worte für „die Mannschaft hinter der Theke.“  Landesverbandsvorsitzender Jürgen Bartz freute sich auch im Namen seines Clubobmanns Werner Wagner, dass trotz zahlreicher Probleme in der Rasse-Kaninchenzucht wie Mitgliederschwund und hoher Impfkosten ein solcher Event in seinem kleinen Verband möglich geworden sei. Die regionale Landwirtschaftskammer wurde von Heribert Metternich vertreten. Mit viel Emotion begrüßte Ortbürgermeister Ulf Ludwig die Gäste im Saal und sprach auch die volkswirtschaftliche Bedeutung einer solchen geradezu internationalen Veranstaltung an. Spontan sicherte er die Finanzierung des „Goldenen Scheckenrings“ zu, falls die Schau nochmals in seiner Gemeinde Station macht.

 

Damit war auch für den kommissarischen Sprecher des Arbeitskreises Thomas Schmidt das Stichwort gegeben, um zum eigentlichen Höhepunkt der Eröffnungsfeier überzugehen, nämlich der Verleihung des Golden Scheckenrings an einen verdienten Züchter. Dieser war  in diesem Jahr erstmals auf Vorschlag der Mitglieder auserkoren worden. Um die Spannung hochzuhalten, hielt er zunächst ohne Namensnennung die Laudatio auf den Geehrten, der sich jedoch schon schnell als „unseren“ Ewald (Dietz) entpuppte. Geboren am 21.11.1954 trat er 1975 in den Scheckenclub Württemberg-Hohenzollern ein. Nach einigen Jahren als Schriftführer wurde er 1985 zum Vorsitzenden gewählt. Schon im ersten Jahr seiner Vorstandschaft gehörte er dem Organisationskomitee der Überregionalen Scheckenclub-Vergleichsschau in Wüstenrot an und war noch weitere viermal maßgebend bzw. als Ausstellungsleiter an den Überregionalen 1995 in Rottweil, 2001 in Kuchen, 2007 in Gäufelden und zuletzt 2015 in Bernhausen beteiligt. Dem Landesverbandsvorstand gehörte er von 2008 bis 2016 als Vorsitzender der Clubvereinigung an und war Ausstellungsleiter der Landesclubschauen 2012 und 2016. Sein großes Engagement wurde zwangsläufig bereits von vielen Ehrungen begleitet, darunter die Ernennung zum Meister der schwäbischen und  deutschen Rasse-Kaninchenzucht. Auch züchterisch setzte er mit seinen Deutschen Riesenschecken schwarz-weiß und blau-weiß Maßstäbe. Sechsmal wurde er Deutscher Meister. Hinzu kamen viele Erfolge auf den Landesschauen und Überregionalen Scheckenclub-Vergleichsschauen. Um Worte nicht verlegen, bedankte sich Ewald Dietz für die Auszeichnung und betonte, die Scheckenfamilie über Jahrzehnte schätzen und lieben gelernt zu haben.

 

Bevor offiziell die Schau durch den Landrat eröffnet wurde, überreichte Ausstellungsleiter Stefan Rottauscher dem Landrat und dem Ortsbürgermeister in Erinnerung an diese Schau eine Landesverbandsmedaille.

 

 

 

Festabend mit Dudelsackpfeifer für Preisträger

 

Der Züchterabend fand in der gut 10 km entfernten Elberthalle in Niederelbert statt. Ob über Bustransfer von den umliegenden Hotels oder per Pkw angereist…. schon kurz nach 18.00 Uhr war die schön dekorierte Halle mit fast 300 Personen besetzt. Diese sollten einen vergnügten, unterhaltsamen und kurzweiligen Abend erleben. Zunächst gelang es mit Unterstützung einer Showtanzgruppe und deren Partner in kürzester Zeit vier unterschiedliche Menüs „auf die Tische“ zu zaubern und dies in einer sehr reichhaltigen und schmackhaften Qualität! Musikalisch wurde der Abend dann von einem Diskjockey begleitet.

 

Einzigartig war die Form der Siegerehrung. Alle Preisträger wurden gebeten, ins Foyer der Halle zu kommen und zogen dann in Begleitung von drei Dudelsackpfeifern in die verdunkelte Halle ein… Gänsehautfeeling! An der Bühne wurden sie mit einem Glas Sekt empfangen und dann rasseweise auf die Bühne gebeten. Jeder von uns kennt langatmige und dabei nicht einmal stilvolle Siegerehrungen, bei denen es schon lange dauert, bis die einzelnen Aufgerufenen auf der Bühne erscheinen. So war das eine tolle komprimierte und sehr würdige Ehrung. Die geehrten Hauptpreisträger: Die Clubmeisterschaft als Mannschaftswertung ging an die Zuchtfreunde aus Westfalen (1.170 Pkt.), gefolgt von Hannover (1.167,5), Rheinland-Nassau (1.166,5), Baden (1.166) und Württemberg-Hohenzollern (1.165). Die beste Gesamtleistung eines Züchters, vergeben auf 6 Tiere,  zeigte Josef Konrad (ZwSch, schw-weiß, 583,5), gefolgt von Wolfgang Knuth (ESch, schw-weiß, 582,5), Jörg Stünkel (KlSch, schw-weiß, 582,5), Andreas Langelage (KlSch, schw-weiß, 582) und Jens Jadischke (RSch, 582). Josef Konrad zeigte mit 98,5 Pkt. den besten Rammler der Schau und die beste Häsin hatte Stefan Rottauscher auf ZwSch, thür-weiß (98 Pkt.). Die emotional schönste Ehrung erfuhr aber Hans Peter Kähling als er im Gedenken an Mario Hoffmann aus den Händen von Beatrix Hoffmann und Stefan Rottauscher einen Pokal für das schwerste Kaninchen der Schau entgegennahm.  Die Rassemeister und -sieger werden im  Bericht bei den jeweiligen Rassen und Farbenschlägen genannt.

 

Ein Schlangenbeschwörer (Karl-Heinz Mielich) leitete den orientalischen Teil des Abends ein. Mit seiner Flötenmusik gelang es ihm zwar nicht ganz, dass sein Schecke ohne Unterstützung den Kopf aus einem Korb hob. Vielleicht waren hierfür auch nur die Töne viel zu „schräg“?! Der Gag war auch so ein Volltreffer!   

 

Perfekt lief es anschließend beim Showtanz der Gruppe G-Sisters, die auch das Eis im Publikum brach. Mit Unterhaltung, Tanz und vielen Getränken dauerte die Feier für den ein oder anderen bis in die frühen Morgenstunden und was dann noch kam, darf man durchaus als einmalig bezeichnen. Die letzten Gäste halfen dann noch den Veranstaltern beim Aufräumen der Halle. Das ist gelebte Freundschaft! In gleichem Maße gilt dies, wenn sich die Ehrenringträger vergangener Jahre auf den Festabenden treffen und in Erinnerungen geradezu eintauchen. Kurzerhand entschloss sich der Berichterstatter, diese zu einem gemeinsamen Foto zu bitten.

 

 

 

Die Rassen in der Kritik

 

Deutsche Riesenschecken

 

Gegen den allgemeinen Trend ist die Zahl der Deutschen Riesenschecken, schwarz-weiß,  mit 244 Rassevertreten seit Jahren geradezu in Stein gemeißelt. Hinzu kommt, dass die ohnehin hohe Qualität aufgewertet wird, wenn die Züchterfreunde aus Österreich und Südtirol dabei sind. Es ist schon sehr eindrucksvoll, durch lange Käfigreihen zu gehen und zu dieser frühen Jahreszeit Gewichtsangaben deutlich jenseits der 7 kg verbunden mit Ohrlängen von  17 cm und mehr zu sehen. Beides sind sicherlich Basisfaktoren für gute Riesenschecken und in den Spitzenzuchten vielfach gefestigt. Viel höhere Dimensionen sollte man andererseits aber auch nicht anstreben, damit die Ästhetik der Rasse nicht leidet. In diesem Zusammenhang wird auch allzu oft vergessen, dass es nicht nur um Gewicht sondern auch Körperlänge und nicht nur um Ohrlängen sondern auch um Ohrstruktur geht. Die Stärke der Läufe und der Auftritt sind Elemente, die immer noch züchterisches Potential aufweisen. Einen Maßstab setzte hier für mich u.a. ein Altrammler (97,5 Pkt.) von Franz-Josef Neumann mit 8 kg, einem 17,5er Ohr und Läufen, die dem Körper auch einen tollen Stand verleihen konnten. Den durchgängig besten Gewichts- und Größenrahmen verbunden mit 17,5er Ohren hatten zweifelsohne die Tiere von Jens Jadischke. Er zeigte ebenso wie Hans Peter Kähling, Ralf Conzelmann, Patrick Leist und Thomas Hengeler je ein Tier mit einer 19,5 in Pos 2. Jahreszeitlich bedingt war das Fellhaar vielfach noch nicht ausgereift, wobei lange Felle mit wenig Unterhaar selten waren. In Kombination zwischen „Form und Fell“ hatte Klaus Diekhues exzellente Rassevertreter und auch das einzige Tier mit einer 14,5 in Pos. 3. Andererseits verstanden es die amtierenden Preisrichter auch einige Male, etwas übertriebenes Schaufertigmachen konsequent mit einer 12,5 zu bestrafen. Vielfach war die Kopfzeichnung eine Augenweide. Zu Recht wurde im Schnitt die 14,5 vergeben. Schwieriger zu verwirklichen ist die Rumpfzeichnung und hier speziell der Wunsch nach 6-8 freistehenden Seitenflecken. Die positive Entwicklung ist m.E. aber kontinuierlich. Mit dem besten Tiere im „Gesamtpaket“ hatte sicherlich Jens Jadischke mit 485,5 Pkt. die Meisterschaft, gefolgt von Holger Dahlem und Ralf Conzelmann mit je 484 Pkt. Den Siegerrammler stellte ebenfalls Jens Jadischke (97,5 Pkt.) und die Siegerhäsin hatte Georg Unterweger mit 97,5 Pkt. Seine Zuchtlinie bestach durch vorzügliche Ohrstrukturen und prima Läufen. Neben den Rassemeistern zeigte Klaus Dickhues drei V-Tiere, je zwei kamen von Franz Josef Neumann, Georg Unterweger und Herbert Mei, Markus Schneid, die Zgm. Holzer/Schhneider, Helmut Wiegener und Patrik Leist hatte je ein V-Tier. Daneben stellte Jürgen Wilfried zwei einfarbig, schwarze Tiere.

 

 

 

Nachdem im vergangenen Jahr die Zahl der ausgestellten Deutschen Riesenschecken, blau-weiß, deutlich eingebrochen war, zeigten sich in Wallmerod stattliche 48 Rassevertreter von ihrer besten Seite! Bis auf die Zuchtlinie von Ewald Dietz konnten die Blauen zwar nicht ganz an das Gewicht der schwarz-weißen Rassevertreter heranreichen. 6,5 bis knapp 7 kg sollten aber ausreichen, um den gestreckten, leicht walzenförmigen Körper zu präsentieren. Dazu stachen die prima Kopf- und Ohrstrukturen in der Zucht von Hermann Abeling hervor, der mit 481 Pkt. dritter Rassemeister wurde und mit 97 Pkt. die Siegerhäsin stellte. Während in seiner Linie das Fellhaar nicht ganz überzeugen konnte, war dies beim Zweitplatzierten Rene Witt (481,5 Pkt.) deutlich besser. M.E. völlig unumstritten zeigte Manuel Niedermaier die besten Rassevertreter und wurde mit 482 Pkt. erster Rassemeister und mit 97 Pkt. hatte er auch den Siegerrammler. Vor allem die Fellhaarstrukturen waren mit der nur leicht überstehenden Granne absolut vorzüglich (einmal 14,5 und viermal 14 Pkt.) und legten so die Basis für eine nahezu übergangslose Abgrenzungen der Zeichnungsmerkmale des Kopfes und Rumpfes. Dadurch zeigte sich ebenso die reine, nicht mit weißen Haaren durchsetzte Zeichnungsfarbe in einem sehr guten Glanz. Im Vergleich wäre hier vor allem in der Kopfzeichnung m.E. der ein oder andere halbe Punkt mehr möglich gewesen. Zwangsläufige sind solche Vergleiche in der entfernten Gesamtbetrachtung etwas leichter als „Auge in Auge“ auf dem Preisrichtertisch und sollte deshalb auch nicht als Kritik verstanden werden. Auch die Tiere von Marcus Kling konnten vor allem im Fellhaar überzeugen und ein Tier mit dem besten Rassewert machte 97 Pkt. Insgesamt haben wir wohl in diesem Jahr die besten blau-weißen Riesenschecken seit Jahren gesehen. Dabei waren die beiden mit je 97 Pkt. bewerteten Siegertier von Hermann Abeling und Manuel Niedermaier richtungsweisend.

 

 

 

Leider waren die Deutschen Riesenschecken, havannafarbig-weiß, gegenüber den letzten Jahren mit 33 Rassevertretern leicht rückläufig. Im Ausstellerverzeichnis fehlten die guten Zuchten von Jens Günther und Hans Ströhle. Dennoch sahen wir prima Rassevertreter, auffallend vor allem im Gewicht und in Pos. 2. So bekamen sämtliche sechs Rassevertreter von Thomas Hängeler die 19 in Pos. 2 und ebenso die 14 im Fellhaar. Diese Leistung gab es in keinem Farbenschlage der Deutschen Riesenschecken! Aus seiner Zucht kam die Siegerhäsin mit 96,5 Pkt. Wie seit Jahren stellt Walter Gutheber sehr voluminöse Tiere mit Ohrlängen bis zu 18 cm. Im gleichen Atemzug muss man dann auch Matthias Röck nennen, dessen Tiere mir durch kräftige Köpfe und Läufe auffielen. Nicht nur in diesen Belangen hat sich der Farbenschlag in den letzten Jahren gewaltig entwickelt. Saubere Ohransätze, nicht allzu breite Augenringe und tiefliegende Backenpunkte bei ausgeprägtem Schmetterling führten zu Recht mehrmals zu Bestnoten. In der Rumpfzeichnung sind die Aalstriche gut gefestigt. Die Seitenflecken werden etwas freistehender gewünscht, so dass die in der Regel die 14 vergeben wurde. Farblich sah man durchweg prima Rassevertreter.  Erster Rassemeister wurde Mattias Röck mit 482,5 Pkt. vor Walter Gutheber mit 482,0 Pkt. Mattias Röck rundete seine hervorragende Präsentation durch den Siegerrammler mit 97,5 Pkt. und einem 14,5er Fellhaar ab.

 

 

 

Mit 139 Rheinischen Schecken standen auf der Schau zwar weniger Tiere als ohne Tierzahlbegrenzung im vergangenen Jahr. Die Zahl bewegte sich aber immer noch innerhalb der mittelfristigen Bandbreite. Anfangen möchte ich mit dem einstigen Schwachpunkt, dem Fellhaar. Noch vor wenigen Jahren sah man durchweg lange, mit wenig Unterhaar und sehr deutlich überstehender Granne versehene Fellhaarstrukturen. Verbesserungen der letzten Jahre setzten sich geradezu sprunghaft fort. Nur 17% der Tiere erzielten eine 13 oder 13,5! In nicht weniger als vier Zuchten sah man durchgängig die 14 und 11 Tiere erzielten eine 14,5! Das hat sich zweifelsohne auch sehr positiv auf die Farbintensität ausgewirkt, die im derzeitigen Standard nur mit „Gelb“ beschrieben wird, während die Entwicklung deutlich fortgeschritten ist. Der überwiegende Teil der Tiere zeigt heute ein sattes „Gelbrot“. Der neue Standard wird dieser Entwicklung wohl Rechnung tragen. Der Gewichtsrahmen wurde in den einzelnen Zuchtlinien ausgeschöpft und Kopf- und Ohrstrukturen waren vielfach vom Feinsten. In einigen Zuchten sollten die Läufe jedoch noch etwas kräftiger und der Auftritt verbessert werden. In der Spitze ging es erfreulicherweise so eng zu, wie lange nicht mehr. Andre Fink zeigte gleich zwei Tiere mit einem 14,5er Fellhaar und acht Tiere mit einer 10er Farbe. Er wurde mit 485,5 Pkt. zweiter Rassemeister. Einer dieser tollen Fellhaarträger war seine Siegerhäsin mit 97,5 Pkt. Stefan Rottauscher zeigte mit zweimal 19,5 die Spitze in Pos. 2 und sein Siegerrammler (98 Pkt.) hatte zudem ein 14,5er Fell… sicherlich eines der schönsten Tiere der Schau. Insgesamt erzielte er mit 484 Pkt. den dritten Platz. Einmal mehr war jedoch Jens Jadischke nicht zu schlagen. Er zeigte deutlich die besten Kopfzeichnungen, tolle satte Farben und auch in den anderen Pos. gab es keine Schwächen, so dass 485,5 Pkt. den „Platz an der Sonne“ bedeuteten. Ausdrücklich erwähnen muss man noch einen hochfeinen Rammler von Hermann Höflich, der mit 19,5 und 14,5 in „Form und Fell“ schließlich 97,5 Pkt. machte. Auch ein weiteres seiner Tiere machte v. Daneben kamen zwei vorzügliche Tiere von Hans-Dieter Waldraff und je ein v-Tier hatten die Zgm. Scholl/Zeutzheim, Richard Schnarr, Alfred End, Jörg Giebeler Rosemarie Schrapp und Robert Müller.

 

 

 

139 Kleinschecken, schwarz-weiß, bedeuteten einen leichten Rückgang gegenüber den letzten Jahren. Wurde diese Rasse in den letzten Jahren im Vergleich zu anderen nach Ansicht einiger Züchter bewertungstechnisch etwas kritisch gesehen, sollte dies nun Vergangenheit sein. Hier wurden in diesem Jahr wahre Spitzenergebnisse erzielt. Der Gewichtsrahmen von 3 bis 3,75 kg wurde in den unterschiedlichen Linien durchaus ausgeschöpft, wobei „Höchstgewichtstiere“ selten waren. In Pos.2 konnte man jedoch vielleicht mit Ausnahme der fünf/sechs besten Zuchten durchaus noch deutliches Verbesserungspotential ausmachen. Die Kleinschecken sind bekanntlich die einzige Scheckenrasse mit der Forderung nach einem gedrungenen Körper. Manche Tiere waren in der Schulter noch recht schmal und teilweise auch eckig. Dagegen sah man reihenweise kurze und kräftige Köpfe und überwiegend auch gut strukturierte Ohren. Ewas kräftige „Englische-Schecken-Typen“ habe ich nicht gesehen.  Das beste Ergebnis in Pos. 2 erzielte Andreas Langelange mit einer 19,5. Paradeposition war fast durchgängig das dichte Fellhaar. Hier setzte Jürgen Hansert mit einer 15 und siebenmal 14 einen Maßstab und in mehreren Zuchten sah man durchgängig diese Note. Viermal wurde sogar die 14,5 vergeben. Die Kopfzeichnung wurde im Schnitt auf hohem Niveau mit 14,5 bewertet und zum Idealbild fehlte hier und da lediglich der etwas schmaler gewünschte Augenring. Dann erreicht man in Verbindung mit der etwas leichteren Seitenzeichnung auch nur selten die 10 in der Farbe. Über diese Wechselwirkung muss man sich bei der Ausrichtung seiner Zucht einfach im Klaren sein. Die drei Erstplatzierten lagen in der Meisterschaft nur einen Punkt auseinander und in der Gesamtbetrachtung stellten sie dicht gefolgt von Anne Feegers schon deutlich die diesjährige Spitze dar. Erster Rassemeister wurde Jörg Stünkel mit 386 Pkt. Er zeigte mit 98 Pkt. den hochfeinen Siegerrammler mit perfektem Rassewert und tollen Kopf-und Ohrstrukturen. Auch die Siegerhäsin von Jürgen Hansert stand dem mit 98 Pkt. in nichts nach. Er wurde mit 485 Pkt. dritter Rassemeister. Dazwischen platziert sich Andreas Langelage mit 485,5 Pkt… ein toller Erfolg zum runden 50. Geburtstag! Das sehr gute Gesamtergebnis wurde komplettiert durch drei v-Tiere von Anne Feegers, zwei von Horst Gebhardt und je eins von Alfred Menzel, Thomas Wiesbeck, Kurt Vierheller und Sebastian Billaux.

 

 

 

Seit Jahren folgen dem schwarzen Farbenschlage stets 40 bis 50 blau-weiße Kleinschecken. Leider fehlte in diesem Jahr eine komplett gemeldete Zucht, so dass nur 5 Züchter „ins Rennen“ gingen. Dabei waren die „Kräfteverhältnisse“ recht klar und deutlich. Klaus Schipper stellte wie schon im Vorjahr recht deutlich die besten Tiere und wurde mit 483 Pkt. erster Rassemeister. Positiv auffallend in seiner Zucht waren sehr gute Kopf- und Ohrstrukturen, darunter der Siegerrammler mit 97 Pkt. Auch die Fellhaarqualität (2 x 14,5) war beachtlich und teilweise zeigten seine Tiere sehr schöne Rumpfzeichnungen mit gleichmäßig breitem Aalstrich und den freistehenden auf den Schenkeln verteilten Seitenflecken. Allerdings sollte -unabhängig von dieser Rasse- das manchmal zu beobachtende bloße Zählen der Punkte als Kriterium für die Bewertung durchaus gleichgestellt sein mit der angestrebten Verteilung auf den Flanken und Schenkeln. In der Kopfzeichnung gefielen die Tiere des Zweitplatzierten Alfred Menzel (482 Pkt.) jedoch besser. Auch der Typ war wie schon seit Jahren in seiner Zucht gefestigt. Ebenso zeigte der drittplatzierte Peter Martin (480,5 Pkt.)  gedrungene und walzenförmige Tiere, hatte aber deutlich mit farblichen Problemen zu kämpfen. Die Siegerhäsin von Peter Martin machte 96,5 Pkt. und bestach in Form und Fellhaar. Sehr gefiel mir auch der Rammler von Frank Holz, der mit einer Arbeitskreis-Medaille ausgezeichnet wurde.

 

 

 

Nach 65 Kleinschecken, havannafarbig-weiß, in Filderstadt und 54 in Schönbach war leider die Zahl in diesem Jahr auf nur 46 Rassevertreter gesunken. Wie in keinem anderen  Farbenschlag schien hier das Gewicht ein großes Thema zu sein. In zwei Zuchten sah man Tiere, die das Normalgewicht nicht (oder noch nicht) erreicht hatten und standen damit im Gegensatz zu den voluminösen und großrahmigen Tieren Jörg Stünkel. Auch in der seit Jahren mit führenden Zuchtlinie von Michael Löhr sah man zurückliegend tendenziell Tiere mit knappem Gewicht. Erfreulich konnte er dies zwischenzeitlich abstellen. Bei den Havannafarbigen gab es in Pos. 2 bei mehreren Tieren höhere Punktabzüge. Auch bei der Rumpfzeichnung wurden die Unterschiede deutlich. Die Seitenflecken waren etwas groß und teilweise auch zusammenhängend. Ein Beispiel für eine „Top-Rumpfzeichnung“ war die Siegerhäsin von Jörg Stünkel (97 Pkt.). Diese Häsin hatte zudem die Kombination mit einem hervorragenden Fellhaar, so dass die Zeichnungsmerkmale prima in Erscheinung traten. In der Breite der acht ausgestellten Tiere zeigte jedoch Michael Löhr den etwas besseren Rassewert während die etwas besseren Typen von Jörg Stünkel kamen. Beide Züchter belegten souverän und m.E. völlig zu Recht die ersten Plätze (Michael Löhr 483 Pkt. und Jörg Stünkel 482,5 Pkt.). Dritter wurde mit 481 Pkt. Georg Letscher. Der Siegerrammler kam mit 96,5 Pkt. wiederum von Jörg Stünkel.

 

 

 

Leider ist die Anzahl der ausgestellten Englischen Schecken, schwarz-weiß, mit 136 Exemplaren auf einen langfristig tiefsten Stand gesunken. Auch die Ausstellungsfreudigkeit auf den letzten Bundesschauen und Bundes-Rammlerschauen war rückläufig. Ursachenforschung möchte ich hier nicht betreiben, obschon ich mir hier meine Gedanken mache. Wenn man 40 Jahre einer Rasse und einem Farbenschlag die Treue hält, „schmerzt“ das schon sehr! Die Konkurrenz war wie so oft in den letzten Jahren von einer großen Leistungsdichte und Klasse gezeichnet. Und wenn die ersten vier der Champions Edition 2008 bis 2017 auch hier die ersten vier Plätze mit einem Punktabstand von insgesamt nur 0,5 belegten, spricht dies in erster Linie für die Stabilität der besten Zuchten, ebenso für die statistische Aussagefähigkeit und nicht zuletzt auch für die Leistung der Preisrichter. Reihenweise sah man ausgezeichnete Rassevertreter mit prima Formen, tollen Fellhaarstrukturen und Kopfzeichnungen nahe der Perfektion. Zur 19 in Pos. 2 bedarf es heute weitaus mehr als nur eines runden Beckens. Recht viele „Engländer“ haben heute einen tollen, etwas höheren als mittleren Stand, kurzen Auftritt und zuweilen Kopf- und vor allem Ohrstrukturen, die das Herz höher schlagen lassen. Diese Nuancen in Verbindung mit der nach wie vor schwierigen Seitenzeichnung machen den Unterschied zwischen sehr guten und vorzüglichen Tieren aus. Vielleicht hätte man zur deutlicheren Abgrenzung in Pos. 5 auch mal die 15 vergeben können. Über alle Bewertungskriterien hinweg muss ich den Rammler mit dem Täto 3.6.50 von Wolfgang Knuth herausstellen, der im vergangenen Jahr mit 98 Pkt. bester Rammler der Schau war, in Erfurt mit 97,5 Bundes-Sieger wurde und auch in diesem Jahr mit 98 mit einer 19,5 in Pos. 2 den Rassesieger machte. Ich habe noch nie einen schöneren Rassevertreter gesehen! Die 19,5 stand dann auch nur ein zweites Mal bei einem Rammler von Werner Winkens. Wolfgang Knuth stellte ferner  mit 97,5 Pkt. die Siegerhäsin und kam in der Meisterschaft punktgleich mit dem Erstplatzierten Michael Löhr (484,5) auf den zweiten Platz. Dennoch unterscheiden sich beide Linien durchaus. Während in beiden Zuchten  „Form und Fell“ gefestigt sind, sieht man bei Wolfgang Knuth die etwas kräftigeren Zeichnungsstrukturen verbunden mit einer satten, lackschwarzen Farbe. Michael Löhrs Tiere zeichnen sich hingegen durch feinere Zeichnungen aus …angefangen von den Augenringen und  Backenpunkten bis hin zum etwas schmaleren Aalstich und recht kleinen Ketten- und Seitenflecken. Dass dabei die Farbe etwas verblasst, liegt in der Natur der Sache und wurde auch von den Preisrichtern erkannt. Welche Richtung man bevorzugt, ist ohne Qualitätsunterschied eben „nur“ Geschmackssache! Mit Erik Bücher folgte auf dem dritten Platz und 484 Pkt. ein in den letzten Jahren sprunghaft „aufgestiegener“ Züchter. Seine in allen Positionen sehr ausgeglichenen Tieren waren punktgleich mit denen von Werner Winkens, der ebenso wie Hermann Schophuis je zwei v-Tiere stellte. Sehr schöne Rassevertreter mit je einem v-Tier kamen von Jean-Claude Kormann, Franz Parsch, Jürgen Oßwald und Franz Josef Temme.  

 

 

 

In den letzten Jahren haben sich die Englischen Schecken, blau-weiß, bei der 80er Marke eingependelt. Was aber in diesem Jahr an Qualität geboten wurde, war erstaunlich. Ich glaube, in diesem Farbenschlag noch nie eine so ausgeglichene starke Konkurrenz gesehen zu haben. Das Resultat der Preisrichter war gleichermaßen, denn drei Platzierungen mit 484 Pkt. gab es auch noch nicht. Vor allem die Fellhaarqualität war hervorragend. Nur 4 Tiere bekamen keine 14 und in den besten Zuchten sah man auch sehr häufig die 19/14 in „Form und Fell“. Die wichtigste Entwicklung zeichnete sich aber in der Farbe ab. Schon im vergangenen Jahr habe ich eine Verbesserung dokumentiert, die sich in diesem Jahr auf breiter Ebene fortsetzte. Zurückliegend sah man recht häufig Tiere mit recht „starken“ Durchsetzungen in den Ohrrändern, etwa hellem Lippenspalt und manche Blumenoberseiten hatten ähnlich viel Deck- wie Zeichnungsfarbe. Das hat man alles prima in den Griff bekommen! Hinzu kommt, dass „neue Namen“ deutliche Zeichen setzten. So gewann in diesem Jahr erstmals Marielle Lengert die Meisterschaft mit 484,5 Pkt. Auch der Zweitplatzierte Florian Rolf stand erstmals auf dem Treppchen und erzielte 484 Pkt. Ich bin sicher, dass Markus Turk, den ich mal als „Altmeister“ dieses Farbenschlags bezeichnen möchte, diese Entwicklung auch mit positiv beeinflusst hat und sein dritter Platz sportlicher Ansporn sein wird. Für die Breite der „Neuaufstellung“ des Farbenschlags spricht ferner, dass Arno Göpfert mit 97 Pkt. erstmals die Siegerhäsin stellte und immerhin noch vier weitere Züchter, nämlich  Jakob Albrecht, Eberhard Krüger, Reinhard Mack und Philippe Metzger je ein v-Tier hatten. Den Siegerrammler stellte Florian Rolf mit 97,5 Pkt.

 

 

 

Englische Schecken, thüringerfarbig-weiß, haben wir qualitativ auch schon schlechter gesehen und auch die Tierzahl ist in den letzten Jahren nunmehr wieder auf 95 gestiegen. Besonders positiv habe ich eine Aussage aus der Preisrichtergruppe aufgenommen, dass die Aalstriche besser gewesen seien als bei den schwarz-weißen Rassevertretern. Andererseits erschien mir die Ausprägung der Kettenpunkte und Seitenflecken in der gewünschten Posthornschablone noch vielfach verbesserungswürdig. Dabei spielt es m.E. nur eine untergeordnete Rolle, ob die Punkte etwas kleiner oder grober sind. Wichtig ist, das die Schablone ausgeprägt und keine Unterbrechungen oder zeichnungsleeren Bereiche (häufig auf den Schenkeln zu finden) vorhanden sind. Kommt dazu noch eine gute Stellung und nicht zu vergessen die nur leicht überstehende Granne, verstärkt dies das Zeichnungsbild ganz entscheidend. In den Spitzenzuchten sah man durchweg sehr gute Körperformen, wobei Reinhold Ellenberg vielleicht die kräftigsten Tiere mit hohem Gewicht  zeigte. Nicht vergessen sollte man allerdings, dass Englische Schecken einen leicht gestreckten Körper haben sollten. Hier gefiel mir die Siegerhäsin (97,5 Pkt.) von Michael Büscher ganz besonders. Er wurde mit 484 Pkt. gleichauf mit Reinhold Ellenberg erster Rassemeister. Schön, dass mit Kai Grönemeier und ebenfalls 484 Pkt. ein „überregionaler Neuling“ auf dem dritten Platz folgte und auch noch den Siegerrammler mit 97,5 Pkt. stellte. Da haben sicherlich die starken westfälischen Zuchten einen nicht unwesentlichen Beitrag geleistet! Dazu passten auch Siegfried Gottschlichs farblich überragende Tiere. Sowohl in seiner Linie als auch in der von Michael Büschers Tieren trat der rußartige Anflug an den Körperstellen deutlich in Erscheinung, an denen die Thüringer ihre Abzeichen haben. So sollte es sein! Dicht hinter dem Spitzentrio stellte Siegfried Gottschlich zwei v-Tiere und Claus Paukerl und Marielle Lengert je eines.

 

 

 

Als letzter Farbenschlag folgten die Englischen Schecken, dreifarbig. Da von den gemeldeten 33 Tieren komplett zwei Zuchten fehlten, war die Konkurrenz leider wieder einmal sehr überschaubar. Ich verstehe einfach nicht, warum diese farbenfrohe Variante nicht mehr Anhänger und Aussteller findet. Dadurch schreitet die Entwicklung einfach nicht oder nur kaum voran. Die Qualität „der drei F“ in Form, Fell und Farbe ist zweifelsohne vorhanden und dies sogar in etwas differenzierten Typen. Die Zuchtlinie von Philippe Ecksteine ist etwas voluminöser und kräftiger im Bau. Dagegen zeigt Thomas Schmidt die etwas eleganteren Typen. Fortschritte wurden unstrittig in der Rumpfzeichnung gemacht. Mehrfach sah man schön aufgelockerte und frei stehende Zeichnungspunkte. Ebenso waren Durchsetzungen der Zeichnungsfarben die Ausnahme. Thomas Schmidt sicherte sich mit 483,5 Pkt. die Meisterschaft vor Philippe Eckstein mit 482,5 Pkt. Beide „teilten“ sich auch die Siegertiere mit je 97 Pkt. wobei ich die außerordentliche Ohrstruktur der Siegerhäsin von Thomas Schmidt herausstellen möchte. Daneben stellten Eleonore Broeckmann und Franz Josef Thelen insgesamt 8 Tiere die sehr gute 95 bis 96,5 Pkt. machten.

 

 

 

Der Zwergschecken-Reigen begann mit 60 Exemplaren im schwarz-weißen Farbenschlag. Diesem Farbenschlag scheint „etwas die Luft ausgegangen“ zu sein. Schließlich war es die „Schwarzen“, die in erster Linie den Zwergenboom bei den Schecken ausgelöst hatten! In diesem Jahr fiel eine Verlagerung auf andere Farbenschläge auf. Die Konkurrenz war von einem deutlich überragenden Josef Konrad geprägt. In der absoluten Spitze stellte er mit einem genialen Altrammler (98,5Pkt. …20/19,5/14,5/15/14,5/10/5) das beste Tier der Schau. Dabei muss man wissen, dass dieser Rammler mit „nur“ 98 Pkt. im vergangenen Jahr ebenfalls der beste Rammler war. Die fantastische Leistung des Züchters wurde mit der Siegerhäsin (97,5 Pkt.) und der Rassemeisterschaft (485 Pkt.) gekrönt. Zur deutlichen Abgrenzung von den Typenzwergen wurde seinerzeit ja bewusst eine relative große Gewichtsspanne für die Zwergschecken vorgegeben, die sich auch bewährt hat. Dabei bevorzugt Josef Konrad zweifelsohne den relativ kleinen Zwergentyp mit sehr markanten Kopf- und Ohrstrukturen. Zwangsläufig muss dann auch die Länge des sehr dichten Fellhaares angepasst sein. Bewertungstechnisch recht auffallend war, dass nur vier verschiedene Züchter Tiere mit einer 15er Kopfzeichnung stellten. Im Allgemeinen sollten die Augenringe etwas schmaler werden, wobei das schon „klagen auf hohem Niveau“ ist. Ein Rassevertreter von Klaus Augustinowitz wurde auch mit einer 15er Rumpfzeichnung hervorgehoben. Ganz tolle Rassevertreter mit durchgängig 14er Fellhaarstrukturen und einem Tier mit einer 19,5 in Pos. 2 stellte die Zgm. Schmitz/Rau und wurde mit 481 Pkt. dritter Rassemeister. Dazwischen platzierte sich Andre Fink mit Tieren, die in Kopfzeichnung und vor allem farblich sehr gut waren. Er erzielte 481,5 Pkt. und seine tolle Siegerhäsin machte 97,5 Pkt. Das hohe Niveau dieses Farbenschlags wurde durch je 2 v-Tiere von Klaus Augustionwitz und Heinrich Richly sowie einem v-Tier von Franz Josef Schehl unterstrichen.

 

 

 

Einige Jahre lang gehörten die Farbenzwerge, blau-weiß, in Bezug auf die Ausstellerzahlen etwas zu den Sorgenkindern. Mit 42 Rassevertretern sahen wir nun in Wallmerod eine feine Konkurrenz unter 8 Züchtern. Das Punkteniveau lag zwar zu Recht etwas unter dem Niveau der schwarz-weißen Zwerge. Auf die zulässigen Größenunterschiede bzw. Gewichtsspannen möchte ich in diesem Farbenschlag nicht eingehen, vielmehr einmal auf Läufe und Stand. Dabei sollte sich jeder Leser dieser Zeilen einmal die beiden Siegertiere in diesem Farbenschlag ansehen! Ich kann nur sagen: „Züchterherz, was willst du mehr?!“ Diese beiden Sieger kamen mit je 97 Pkt. von Heinz Schuh und Dieter Heuschele. Letzterer stellte „nur“ 5 Tiere -darunter ein Alttier- aus. Mit einem weiteren Jahrgangstier wäre die Meisterschaft nur über ihn gegangen, denn 2 v-Tiere hatte sonst niemand. Er zeigte deutlich die besten Zeichnungsmerkmale in der Konkurrenz. Andererseits ist es auch schön, wenn sich neue Namen in den Vordergrund drängen können. Deshalb ist die Leistung von Heinz Schuh hoch anzuerkennen, der mit sehr ausgeglichenen, homogenen Tieren und 482,5 Pkt. souverän die Konkurrenz für sich entschied. Mit recht deutlichem Abstand folgten Inge Wiegener mit 477,5 Pkt. und Jürgen Koch mit 477 Pkt. Zwei schöne Rassevertreter (jeweils 96,5 Pkt.) von Jan Burgsthaler und Koen Evens sollte man durchaus hervorheben.

 

 

 

Auch die Zwergschecken, havannafarbig-weiß, waren mit 69 Rassevertretern stärker und auf deutlich besserem Niveau als in den Jahren zuvor ausgestellt. Die Tiere erschienen vor allem in Pos. 2 verbessert und lange schmale Tiere, vielfach mit spürbaren Hüftknochen ausgestattet, waren in der Unterzahl. Die Körpergösse ist aber hier wie in kaum einem anderen Farbenschlag aufgespalten.  Die Seitenflecken erschienen mir in der Breite der Zuchten etwas kleiner und freistehender zu werden. In diesem Zusammenhang zeichnet sich wohl auch ab, dass die Standardfachkommission entsprechend der Intension des Arbeitskreises die bisher vorgegebene Größe der Punkte deutlich nach unten korrigieren wird. Das entspricht einfach der Realität und dem heutigen Stand der Zucht und ist kein Streben nach neuen Zielen! Enger wie kaum zuvor war schließlich das Ergebnis: Dieter Heuschele wurde mit 483,5 Pkt. Rassemeister, recht knapp vor den punktgleichen Barbara Schneemann und Thomas Hengeler mit je 482 Pkt. Während Dieter Heuschele in Pos. 2, 3 und 4 die Maßstäbe setzte, gefiel bei Thomas Hengeler, die durchgehende 14 im Fellhaar. Dagegen waren die Tiere von Barbara Schneemann eigentlich in allen Positionen sehr ausgeglichen. Die beiden Siegertiere kamen mit je 97 Pkt. von Barbara Schneemann und Dieter Heuschele. Neben den Genannten zeigte auch Heinrich Richly ein v-Tier. Ferner wurden von Jens Günter zwei Zwergschecken, einfarbig, havannafarbig, ausgestellt.

 

 

 

Mit 73 Rassevertretern bei den Zwergschecken, dreifarbig, gab es in diesem Jahr eine quantitativ und qualitativ ausgezeichnete Konkurrenz. Mir erschien, dass sich der Gewichtsrahmen  im mittleren Wert von ca. 1.600 g mehr und mehr stabilisiert. Farblich gab es noch deutlicher als bei den Rheinischen Schecken das volle Spektrum von Hellgelb bis zum satten Gelbrot alles zu sehen. Beim Betrachten der Tiere fielen mit die hervorragenden Kopfstrukturen und noch besseren offenen und im Gewebe festen Ohrstrukturen der Zucht von Volker Günther auf. Auch Rumpfbreite und Rückenlinie stimmten und so hatte er mit sechsmal 19 in Pos. 2 und den besten „Fellhaar-Noten“ der Konkurrenz die eindeutig besten Tiere. Mit in dieser Punktzahl zurückliegend selten erreichten 484,5 Pkt. sicherte er sich die Meisterschaft und nannte beide Siegertiere mit je 97 Pkt. sein Eigen. Auf den nächsten Plätzen folgten mit Hermann Höflich (483,5 Pkt.) und Klaus Diekhues (480,5 Pkt.) zwei westfälische Züchter. Dieser Club war vor einigen Jahren in diesem Farbenschlag führend und hat nunmehr sicherlich wieder einen prima Anschluss gefunden. Im Rassewert waren die zuletzt Genannten dem erfolgreichsten Züchter ebenbürtig. Andreas Müller präsentierte ebenfalls eine in allen Positionen ausgewogene Linie und erhielt für zwei 96,5er Ehrenpreise.

 

 

 

…. Und das Beste kam zum Schluss! Es war die Konkurrenz der für diesen Farbenschlag stattlichen 22 Zwergschecken, thüringerfarbig-weiß. War zurückliegend Günter Haußler mehr oder weniger „Einzelkämpfer auf hohem Niveau“ stahlen ihm Wolfgang Knuth und Stefan Rottauscher die Show. Um in einer solchen Rasse 2 x 97, 1 x 97,5 und 3 x 98 Punkte zu vergeben, müssen schon mehrere Faktoren zusammenkommen: Neben vorzüglichen Tieren dürfen die Preisrichter nicht versuchen, nach Fehlern zu suchen, sondern das Schöne am Tier sehen, einen gewissen Mut mitbringen und der Obmann muss die „Ausnahmesituation“ erkennen. Alles kam zusammen und wer die Tiere gesehen hat, wird das Resultat respektieren und auch bewundern! Angefangen vom Typ, über Fellhaar bis zum größtenteils perfekten Rassewert sah man Traumtiere. Beide hätten die Meisterschaft verdient gehabt. Wolfgang Knuth hatte das entsprechende Glück des Tüchtigen und erzielte punktgleich vor Stefan Rottauscher 484,5 Pkt. Dafür stellte Letzterer mit seinen beiden 98igern die beste Häsin der Schau und den Siegerrammler. Gespannt darf man sein, ob zukünftig noch mehr Züchter „auf den Zug aufspringen“.

 

 

 

Abschlussgedanken

 

Wir erlebten eine Schau mit einigen Superlativen, die zu aufrichtigem Dank seitens der Aussteller verpflichtet. Ist Rasse-Kaninchenzucht so nicht schön?! Wir können alle dazu einen Beitrag leisten, indem wir nicht durch falschen Ehrgeiz versuchen, die Natur zu überwinden. Dann sollte es auch ein Leichtes sein, dass wir uns im nächsten Jahr am 13./14 Oktober in Königsmoos in der Nähe von Ingolstadt wieder in alter Freundschaft und Kameradschaftlich zur 44. Überregionalen treffen. Dass es zwischendurch einen neuen Standard geben wird, werden „alte Hasen auf Niveau der Großschauen“ kaum merken. Die wichtige Basis, die nur eine sehr kleine Zucht betreiben kann oder will und der von uns zu „pflegende“ Anfänger, der vor den „Schwierigkeiten der Scheckung“ bisher zurückschreckte, wird aber zweifelsohne durch die neuen Regularien in die Lage versetzt, vermehrt und leichter Schecken auszustellen. Schecken sind nämlich einfach nur schön, auch wenn ein Kleinschecke nur zwei Seitenflecke oder eines kleines weißes Büschel im Aalstrich hat!

 

 

Werner Winkens

 

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23.05.2018 Aktualisierung